Es ist ein Umdenken geboten und dies sollte über alle relevanten Kanälen kommuniziert werden. Über die Corporate-Websites, Broschüren, in Pressemitteilungen, Interviews, Fachartikeln usw., konstant und regelmäßig.
(Ein Artikel von Dr. Nina Schuppener, SCHUPPENER KOMMUNIKATION)
Allerspätestens angesichts des verblüffenden Schauspiels, das gegenwärtig unter dem Titel "Finanz- / Wirtschafts- oder EURO-Krise" auf den großen Bühnen der Welt und zum Staunen des Publikums gegeben wird, ist klar geworden, dass Umdenken geboten ist, wenn erhalten bleiben soll, was wir lieben: Unsere Freiheit, unsere Lebensqualität, auch unsere Zukunft. Und zwar ein Umdenken gerade da, wo wir die materielle Grundlage unseres Daseins tagtäglich erarbeiten. Womit wir den größten Teil unserer Tage und den größten Teil unseres Lebens verbringen. Wenn die Ökonomie der Taktgeber unserer freien Gesellschaft ist, nützt es nichts, die Politik dagegen in Stellung zu bringen. Es geht darum, die Ökonomie selber einer ebenso intelligenten wie humanen Revision zu unterziehen. Und dazu gehört wesentlich Kommunikation.
Krisenwerte und WertekriseDie gegenwärtige Krise hat im wahrsten Wortsinn mit Werten zu tun. Vordergründig mit gigantischen Geld- oder Finanzwerten, deren sich unüberschaubar reihende Nullstellen die "kritische Masse" einer jederzeit möglichen Kettenreaktion längst mehrfach überbieten. Untergründig, aber jedem klaren wie geraden Verstand sofort einsichtig, hat sie zu tun mit Haltungs- oder Handlungswerten, die unabhängig von Spekulation, Inflation oder Deflation, unabhängig auch von jüngst all zu viel zitierten "Sachzwängen" und permanent behaupteten "Alternativlosigkeiten" das Maß vorgeben und den Rahmen halten müssen, um Gesellschaften bleibende Stabilität zu geben. Gerade in Krisenzeiten. Denn will man sich als Einzelner oder als Unternehmen eben nicht "alternativlos" abhängig machen von der ebenso unüberschau- wie unberechenbaren Dynamik äußerer Verhältnisse oder dem „Zwang zur kollektiven Selbstsucht“, setzt das eine wechselseitig verpflichtende Haltung voraus, nämlich nur das zu tun, was man umgekehrt auch annehmen würde.
Eine Art „Unvernunftsbremse“Analog zur neuen „Schuldenbremse“ des Grundgesetzes könnte man auch von einer Art „Unvernunftsbremse“ sprechen. Eine solche Übereinkunft muss in Wort und Tat, sowohl von Einzelnen als auch von den verschiedenen Handlungseinheiten, wie z.B. Unternehmen, kommuniziert sein. Denn je dynamischer gerade ein Wirtschaftssystem ist – und das durchaus positiv im Sinne von Innovation, Kreativität, Progress –, je freier gleichzeitig eine Gesellschaft, desto höher die Anforderung an ihre Mitglieder. Anforderung an deren Können und Charakter, an deren Verstand und an deren Moral. Und nicht zuletzt an ihre Fähigkeit zur Kommunikation, d.h. zur letztlich intelligenten und humanen Übereinkunft.
Haltung und Handeln jedes Einzelnen entscheidenDas gilt wiederum für jeden Einzelnen, aber insbesondere für die Verantwortungsträger oder Führungskräfte, die wahrgenommenen Gestalter und Repräsentanten in Politik und Wirtschaft, den beiden zentralen Bereichen für das Ausrichten und Funktionieren einer Gesellschaft. Und ganz gleich, welches System der Organisation von Gemeinschaften man befürwortet oder vielleicht neu erfindet, am Ende bestimmen die Menschen, die es mit Leben erfüllen, seine Qualität, entscheiden ihre Haltung und ihr Handeln über Gelingen oder Scheitern. Haltung und Handeln basieren auf Kommunikation.
Führen ist auch ein Privileg der PflichtAls Unternehmensberaterin für Kommunikation habe ich mich darauf spezialisiert, Führungskräfte und Vorstände für ihre so elementare Rolle zu sensibilisieren, sie zu beraten und zu coachen. Manager müssen mehr sein als bloße Amts- oder Funktionsträger, mehr als nur Erfüller von Quartalsvorgaben oder Verwirklicher ihres eigenen Karriereplans. Jede Führungsaufgabe ist in dem Sinn auch ein Privileg der Pflicht. Und wesentlich kommunikativ. Denn Führen heißt Kräfte ansprechen, freisetzen, heißt sie entwickeln helfen und synergetisch bündeln.
Für eine neue Führungs- und KommunikationskulturWir brauchen eine andere Führungs- und Kommunikationskultur. Denn wir können es uns nicht länger leisten, durch Ich-Bezogenheit, systemische Verengungen und ritualisierte Machtspiele kreative Ressourcen zu verschwenden, intelligente Potentiale ungenutzt zu lassen, überhaupt produktive Energien durch unsinnige Zwänge an ihrer Entfaltung zu hindern. Wir können es uns rein ökonomisch nicht leisten, aber vor allem nicht als die freie und schöpferische Gesellschaft, die wir zu sein behaupten. Nicht zuletzt geht es in der gegenwärtigen Krise auch um ein offenbares Missverhältnis zwischen handelbaren und (eigentlich) unverhandelbaren Werten.
Leadership statt ManagementIn unserem soeben im Haupt Verlag neu erschienenen Buch "Leadership statt Management: Führung durch Kommunikation. Welche Herausforderungen Führungskräfte annehmen müssen", skizziere ich gemeinsam mit meinen Koautoren Ralf Hering und Bernd Schuppener ein Plädoyer für eine ethisch weitsichtige Unternehmensführung. Mit wenigen charismatischen Ausnahmen, ist Leadership zu Recht etwas Erlerntes. Kommunikation ist ein zentraler Baustein für Leadership-Qualitäten. Wertebewusstsein ein anderer.
Handelbare und unverhandelbare WerteWerte wie Nachhaltigkeit, Integrität, Vertrauen, Verantwortung, Mut oder Respekt sind nicht zu verhandeln. Und auch nicht zu verordnen. Sie wachsen in einer freien Gesellschaft, genau wie in der Handlungseinheit eines gesunden Unternehmens, aus dem vorgelebten und gelebten Zusammenspiel von Intelligenz und Humanität. Ein anderer, ganz kurzer Begriff dafür: Gesunde Menschenvernunft. Deren Voraussetzung und zugleich Instrumentarium bleibt Kommunikation.
Letztlich ist es einfach gesunde Menschenvernunft, die ich versuche in meiner und durch meine Arbeit zu inspirieren, zu mobilisieren, konkret handhabbar zu machen. Im Unterschied zur „Keulengesellschaft“, die wir nicht sind, geht hier das Wort der Tat voraus und liegt dem Sprechen das Denken zugrunde. Und Kommunikation im Ganzen bedeutet auch die intelligente Rückkoppelung von Denken, Sprechen und Tun.
Mit Kommunikation fängt es an. Damit setzt jemand die Richtung, identifiziert sich und sein Credo, eröffnet den produktiven Prozess, kann ihn im Weiteren entsprechend steuern. Damit werden Quellen erschlossen und verbunden, die dem Ganzen und jedem Einzelnen synergetisch förderlich sind. Der Charakter von Kommunikation zeigt die Souveränität des Einzelnen und verweist auf das Klima innerhalb einer Handlungseinheit. Kommunikation ist in dem Sinne stil-, aber auch wertschöpfend.
Wandel durch Kommunikation: Innen und nach außenMein eigener Beitrag zur intelligenten wie humanen Revision unseres gefährdeten und gefährdenden ökonomischen Systems besteht im persönlichen Entwickeln von Stärken jenes kommunikativen Könnens und Handelns. Als Schlüssel einer anderen Führungskultur. Und eines anderen Werteverständnisses. Hin zu einem Primat der unverhandelbaren vor den handelbaren Werten. Diese müssen entwickelt, implementiert und nach außen kommuniziert werden.
Inhalt und FormAlle Kommunikations-Dienstleister haben die Möglichkeit positiver Einflussnahme, ganz gleich, ob es um Inhalte oder die entsprechenden Formen geht. Werteorientierte Unternehmensführung, will sie ganzheitlich etabliert sein, sollte sich nicht nur im Werteverständnis des einzelnen Unternehmens widerspiegeln, sondern auch über alle zeitgemäßen Kanäle publik gemacht werden, die der Außendarstellung dienen. Also über die Corporate-Websites, Broschüren, in Pressemitteilungen, Interviews, Fachartikeln usw., konstant und regelmäßig. Ein solches unternehmerisches Vorgehen hat einen Multiplikatoreffekt, denn je mehr Unternehmen sich einem solch vorbildlichen Führungsmodell anschließen, desto größer wird auch die Lobby für werteorientierte Unternehmensführung.
Dr. Nina Schuppener
Köln, im Juli 2010